Reitangst verstehen

Warum Einsicht allein nicht reicht.

Es hat nicht mit einem Sturz angefangen

Bei den meisten Reiterinnen, die zu mir kommen, gibt es keinen Unfall, auf den sie zeigen könnten. Es gab einen Tag, an dem der Ausritt keine gute Idee war. Dann einen, an dem der Galopp warten konnte. Irgendwann bist du an Dingen vorbeigeritten, ohne dass es eine Entscheidung gewesen wäre.

Du merkst das alles. Reiterinnen wissen ziemlich genau, was sie vermeiden und seit wann. Was fehlt, ist eine Erklärung, die nicht darauf hinausläuft, dass du dich einfach mehr zusammenreißen müsstest.

Dein Körper ist schneller als dein Verstand

In deinem Gehirn gibt es zwei Instanzen, die über Gefahr entscheiden, und sie arbeiten unterschiedlich schnell.

Die Amygdala ist die schnellere. Sie prüft eingehende Reize auf Bedrohung, bevor dein Bewusstsein überhaupt etwas registriert hat. Sie fragt nicht nach Kontext und sie wartet nicht auf dein Urteil. Wenn sie anschlägt, ist dein Puls schon oben, die Schulter schon hochgezogen, der Zügel schon kürzer.

Der präfrontale Kortex ist die langsamere Instanz. Er ordnet ein, wägt ab, kennt den Unterschied zwischen deinem braven Pferd und echter Gefahr. Nur kommt er zu spät. Bis er soweit ist, hat dein Körper bereits reagiert.

Deshalb funktioniert Einsicht allein so schlecht. Du kannst vollkommen zutreffend wissen, dass nichts passieren wird, und trotzdem sitzt du fest.

Warum der Körper sich das merkt

Bessel van der Kolk hat beschrieben, wie belastende Erfahrungen im Körper gespeichert werden statt als geordnete Erinnerung. Das erklärt, warum du keinen Auslöser findest, wenn du danach suchst. Da ist keine Geschichte, die du erzählen könntest. Da ist eine Anspannung, die an einer bestimmten Stelle im Viereck auftaucht.

Und das ist auch der Grund, warum schleichend entstandene Angst so hartnäckig ist. Jeder Ritt, bei dem du das Schwierige ausgelassen hast, war eine Erleichterung. Dein Nervensystem hat daraus gelernt, dass Vermeiden funktioniert.

Drei Zustände, nicht zwei

Die Polyvagal-Theorie beschreibt drei Zustände, in denen dein Nervensystem sein kann.

Sicherheit. Du bist ansprechbar, dein Pferd auch. Hier findet Lernen statt.

Mobilisierung. Der Körper macht sich bereit. Puls hoch, Muskeln fest, Blick eng. Das ist der Zustand, in dem die meisten Reiterinnen ihre Angst kennen.

Erstarrung. Der Körper macht dicht. Du sitzt oben und bekommst deine Hand nicht auf, obwohl du es willst.

Der wichtige Punkt: Zwischen diesen Zuständen kannst du dich nicht hineindenken. Die Bewegung geht über den Körper.

Dein Pferd liest den Zustand, nicht die Absicht

Pferde reagieren auf das, was tatsächlich bei ihnen ankommt. Auf Atemfrequenz, auf Muskeltonus, auf die Verteilung deines Gewichts. Deine Vorsätze bekommen sie nicht mit.

Deswegen wird ein sicheres Pferd unter einer angespannten Reiterin unsicher, und deswegen fühlt es sich für dich wie eine Bestätigung an. Es ist keine. Es ist eine Rückmeldung.

Zwischen Reiz und Reaktion

Viktor Frankl hat einen Raum beschrieben, der zwischen dem Reiz und deiner Reaktion liegt. In diesem Raum liegt deine Freiheit zu wählen.

Bei Reitangst ist dieser Raum sehr klein geworden. Er ist nicht verschwunden. Er lässt sich vergrößern, und das ist die eigentliche Arbeit.

Kostenloser Guide

Wenn dein Körper schneller ist als du

Ein kostenloser Guide für Reiterinnen, bei denen sich etwas verschoben hat.

Du sitzt oben und weißt genau, was jetzt zu tun wäre. Ausatmen. Bein ran. Weiterreiten.

Und trotzdem machst du es nicht. Du ziehst an der Hand, hältst die Luft an und wirst eng.

Hinterher ärgerst du dich. Du weißt doch, wie es geht.

Ja. Du weißt es. Der Zugang war unterbrochen.

Auf 14 Seiten erkläre ich dir, was in deinem Körper passiert, wenn du aufsteigst. Warum dein Wissen unter Stress nicht abrufbar ist. Warum dein Pferd es vor dir merkt. Und warum Vermeiden sich kurzfristig richtig anfühlt und die Sache über die Zeit größer macht.

Was drin ist

  • Die Neurobiologie hinter dem Moment im Sattel, in verständlicher Sprache
  • Eine Checkliste mit sieben Zeichen, an denen du erkennst, ob dein System längst reagiert
  • Eine Übung, die du beim nächsten Stallbesuch mitnehmen kannst
  • Zwei Seiten zum Reinschreiben

Der Guide macht dich nicht angstfrei. Das ist auch gar nicht das Ziel.

Kostenlos. Du bekommst den Download sofort per E-Mail.

Wie ich mit deinen Daten umgehe, steht in der Datenschutzerklärung.

Drei Seiten aus dem Guide Wenn dein Körper schneller ist als du
Häufige Fragen

Fragen zu Reitangst

Was ist Reitangst?

Reitangst ist Angst, die beim Reiten oder schon beim Gedanken daran auftaucht. Bei vielen Reiterinnen beginnt sie ohne Sturz. Sie schleicht sich ein: Erst fällt der Ausritt weg, dann der Galopp, irgendwann bestimmte Ecken im Viereck. Dahinter steckt eine Schutzreaktion deines Nervensystems. Mit fehlendem Können hat das nichts zu tun.

Warum habe ich Angst beim Reiten, obwohl nie etwas passiert ist?

Weil dein Körper schneller entscheidet als dein Verstand. Die Amygdala schlägt an, bevor du eine Situation bewusst einordnen kannst. Jeder Ritt, bei dem du das Schwierige ausgelassen hast, hat sich wie eine Erleichterung angefühlt. Daraus lernt dein Nervensystem, dass Vermeiden funktioniert, und mit der Zeit wird die Angst größer.

Kann man Reitangst überwinden?

Ich verspreche niemandem, dass die Angst verschwindet. Angst ist eine Information, und ein Teil davon gehört zum Reiten dazu. Was sich verändern lässt, ist ihr Einfluss darauf, was du tust. Einsicht allein reicht dafür selten, weil die Reaktion über den Körper läuft. Deshalb arbeite ich psychologisch und im Sattel zugleich.

Merkt mein Pferd, dass ich Angst habe?

Ja. Pferde reagieren auf deine Atmung, deine Muskelspannung und die Verteilung deines Gewichts. Deine Vorsätze bekommen sie nicht mit. Ein sicheres Pferd kann unter einer angespannten Reiterin unsicher werden. Das ist eine Rückmeldung auf deinen Zustand und kein Beweis, dass dein Pferd gefährlich ist.

Ist Reitangst nur ein Thema für Anfängerinnen?

Nein. Die meisten Reiterinnen, die zu mir kommen, reiten technisch gut, viele seit Jahrzehnten. Gerade sie suchen selten Hilfe, weil es nach außen keinen Anlass gibt.

Was macht eine Reitpsychologin?

Ich verbinde Psychologie mit klassischer Reitausbildung. Als Psychologin (M.Sc.) kann ich einordnen, was in deinem Nervensystem passiert. Als Pferdewirtschaftsmeisterin weiß ich, was im Sattel und beim Pferd los ist. In der Arbeit mit mir geht es um beides gleichzeitig.

Wo bekomme ich Hilfe bei Reitangst?

Bei mir beginnt es mit einem kostenlosen Erstgespräch von dreißig Minuten, online. Danach gibt es Kurse und Audios zum Durcharbeiten in deinem Tempo, Einzelstunden auf meinen Schulpferden, Gruppentage online und am Hof und das Signature Program, in dem ich über Monate mit dir und deinem Pferd arbeite. Vor Ort arbeite ich am Triebscheiderhof in Sankt Ingbert bei Saarbrücken, online mit Reiterinnen aus ganz Deutschland.